Mühlau und die Völkerschlacht zu Leipzig

Anlässlich des 200jährigen Jubiläums der Völkerschlacht zu Leipzig hat Volkmar Winkler einige interessante Fakten und Bilder gesammelt und stellt sie freundlicher Weise zur Verfügung. Vielen Dank!

„Die ausgefallene Schlacht von Mühlau“

Nach Berichten des damaligen Pfarrers Schnabel war unser Ort schon seit April 1813 Auf- und Durchmarschgebiet. Am 9. April rückten preußische Truppen ein, die zwischen 11. und 18. weiter zogen. Dann begann das Durchmarschieren bis zur Schlacht von Lützen am 2. Mai. Der Rückzug erfolgte auch hier durch. Es rückte ein großes Heer Franzosen nach, die hier biwakierten. Hierauf folgte ein Regiment polnischer Ulanen, darauf wieder Franzosen.

Nachdem sich General Thielmann mit dem Kosakenhetmann Platow verbündet hatte, biwakierten ca. 2000 Kosaken an der Straße zwischen Mühlau und der Pumpschänke. Am 27. September kam Platow selbst mit noch 3000 Kosaken, 600 Kroaten und einer Batterie Russe. Auf dem Bild ist rechts ein Stück des Feldes zu sehen, auf welchem das riesige Heerlager stand.

Am 3. Oktober entwickelte sich ein kurzes Gefecht bei Penig zwischen Russen und Franzosen um den Besitz der Straße. Für die Franzosen galt es, den Rückmarsch nach Leipzig zu sichern, wo General Murat den Vormarsch der böhmischen Armee aufhalten sollte.

Bei Mühlau waren französische Vorposten mit Vorposten des Grafen Mohr zusammengetroffen, der als Befehlshaber der IV. Abteilung des österreichischen Grafen Klenau den Vorstoß hier durchführen sollte und es kam zu einem Scharmützel.
Am 6. Oktober war das Korps des Grafen Mohr auf die Höhe zwischen Mühlau und Chursdorf vorgerückt und versuchte durch mörderisches Artilleriefeuer die Stellung der Franzosen auf dem Peniger Galgenberg zu erschüttern

Das Regiment „Erzherzog Karl“, das in Mühlau lag, bekam Befehl zum „Abkochen“. Auf nassem Boden überließen sich die Soldaten einem bleiernen Schlaf bis sie beim Morgengrauen mit Hornruf zu neuem Marsch geweckt wurden. Ununterbrochen marschierten hier nun 3 Tage lang große Heeresmassen durch unser Dorf (man muss dabei bedenken, dass Mühlau damals ca. 1000 Einwohner hatte, die aber Zigtausende hungernde Soldaten verpflegen mußten! Und das, obwohl sie selber kaum noch das Nötigste zum Leben hatten!) . In dieser Zeit führte aller verkehr im Dorfe nur unter der Brücke durch. (Gemeint ist damit die Brücke an der Kreuzung die damals wohl schon bestand, obwohl an anderer Stelle erwähnt wird, dass die Furt vor der „Linde“ noch bis 1899 bestanden hätte?)

Inzwischen kamen in Chemnitz von allen Seiten Österreicher und Russen zusammen und in der Nacht zum 9. Oktober wurde es fast zur Gewißheit, dass es zwischen Penig und Mühlau zur Schlacht kommen würde! Die Mühlauer packten schon ihre Sachen aus furcht vor Plünderungen. Da zogen große Infanteriemassen vom Goldbachtal herauf, den Polen in die Flanke. Weil sich aber inzwischen bei Rochlitz Murat mit den Franzosen vereinigt hatte, konnte sich Poniatowsky zurückziehen und eine große Gefahr war von unserer Heimat abgewendet worde

Abends flammten die Wachtfeuer an der Straße zwischen Mühlau und Penig und in dem heutigen Gut, Untere Hauptstraße 49 (Foto) übernachtete der Befehlshaber der böhmischen Armee, Fürst von Schwarzenberg. 

Zuletzt kam die kaiserliche russische Garde durch Mühlau. Es waren Tage der Not und Gefahr, des Jammers und des Fürchtens. In die Garben wurde ordentlich hineingewüstet. Viele Bauern und Häußler verloren nahezu alles bis auf Wohnung und Kleidung, die sie gerade anhatten. Die Einquartierungen dauerten noch bis Mitte Oktober, dann hatte sich die Kriegsfurie von unserer Heimat gewendet. Nach Rückkehr des sächsischen Königs am 7. Juni 1815 wurde das ende des Krieges auch in Mühlau mit einem großen Freudenfest gefeiert.

Dies war im Wesentlichen ( gekürzt) der Bericht des Pfarrers Johann Friedrich Schnabel, der von 1809 bis zu seinem Tod 1834 in Mühlau amtierte. Der Bericht ist in dem Buch „Mühlau im Wandel von 600 Jahren“ enthalten.
Als letzter Teil folgen noch einige Begebenheiten aus dieser Zeit, die auch gleich zum nächsten Geschichtskapitel überleiten, welches ich schon lange angekündigt hatte- Sagenhaftes aus Mühlau. also- weiter schön neugierig bleiben!

Mühlauer in der Völkerschlacht

An Napoleons Rußlandfeldzug 1812 mußten auch Mühlauer teilnehmen. Unter denen, die zurückkehren konnten, war der spätere Nachtwächter Engel, ein Seifert und Gottlieb Aurich. Aurich kehrte als Invalid heim. Er war am Bein verwundet und bekam im Monat 1 Taler Kriegsrente, den er sich selber erst in Zwickau, dann in Chemnitz holen mußte. 1865 wurde er als Erster mit Ehrensalven vom 1863 gegründeten Militärverein begraben.

Die alte Hauptstraße

Dieser Weg vor der „Linde“ bis zur Unteren Hauptstraße 9 ist ein Rest des alten Straßenverlaufs. Anstelle der Brücke soll sich bis 1899 eine Furt durch den Elsingbach erhalten haben. Der heutige Verlauf der Leipziger/ Chemnitzer Straße soll angeblich auf Napoleons Befehl entstanden sein. Vorher kam die Leipziger Straße aus Richtung Penig etwa bei der heutigen Schulstraße in das Dorf herein, führte hinter dem ehemaligen Gastthaus „Stadt Leipzig“ vorbei, was damals eine Schmiede war und durch die Furt vor der „Linde“. Weiter folgte sie wahrscheinlich dem Weg der heute am ehemaligem Konsum „Lebensmittel“ und den Eigenheimen, Untere Hauptstraße 6 a bis d vorbei, zur Chemnitzer Straße führt.

Napoleons Pappel

Was hat wohl die Tischlerei Kamprad im Gewerbegebiet mit der Völkerschlacht und Napoleon zu tun, wird sich mancher jetzt beim Anblick dieses Fotos fragen?  Erstmal natürlich nichts. Aber etwa an dieser Stelle stand bis etwa Anfang der 1970- er Jahre eine Pappel, die angeblich auch von Napoleon als Orientierungspunkt gepflanzt worden sein soll. Vor der Entstehung des Gewerbegebietes ab 1991 war hier die Bebauung von Mühlau in Richtung Hartmannsdorf zu Ende. An die Pappel kann ich mich noch sehr gut erinnern. Dahinter stand auch noch eine hölzerne Feldscheune. Leider habe ich kein Bild davon. Sollte noch jemand eines haben, bin ich für eine Leihgabe zum scannen überaus dankbar!

Napoleons Kriegskasse

Seit dieser Zeit hält sich hartnäckig das Gerücht von der, in der Hannsche vergrabenen Kriegskasse Napoleons. Wie viele werden schon vergeblich danach gesucht haben? Oder hat sie jemand gefunden und hält es geheim?
Bereits 1813 kamen Franzosen zu einem Stuhlbauer, der damals in diesem Haus gewohnt hatte (Burgstädter Straße 2, 1999 abgerissen) und borgten sich lange Eisenstangen mit denen sie in den umliegenden Wiesen und in der Hannsche herumstocherten. Ob sie Erfolg hatten ist leider nicht bekannt – vielleicht ist der Schatz noch unentdeckt?

Autor: Volkmar Winkler